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2011 Ghetto Litzmannstadt


Dr. Andrea Löw: 
Deportierte Juden im Getto Litzmannstadt/Lodz
Vortrag am 23.10.2011 im Forum der VHS Emden

 
„Irgendwo hat sie irgendwer irregeführt… Man hatte sie nicht informiert, wohin sie fahren und was mit ihnen geschehen würde.“
 
Das schreibt Jozef Klementynowski ein halbes Jahr, nachdem Hamburger Juden in das Getto Litzmannstadt deportiert worden sind, im Mai 1942. Der Text, der für die im Archiv des Gettos verfasste Tageschronik entstanden ist, ist überschrieben: „Randnotizen zur Aussiedlung des Hamburger Transports“. Im Mai 1942 wurden die meisten der im Herbst 1941 in das Getto gebrachten deutschen, österreichischen und tschechischen Juden „ausgesiedelt“ – sie wurden in das nahe gelegene Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) deportiert und dort ermordet.
Dazwischen lag also gerade mal ein halbes Jahr. Ein halbes Jahr im Getto Litzmannstadt, dem „Krepierwinkel Europas“, wie der Wiener Schriftsteller Oskar Rosenfeld das Getto nannte. Auch er war im Herbst 1941 hier angekommen. Wie die deportierten Juden – also auch die aus Emden - im Getto lebten, wie sie ihre Situation wahrnahmen, aber auch wie sie von der polnisch-jüdischen Gettobevölkerung wahrgenommen wurden, möchte ich Ihnen im folgenden beschreiben. Zuvor gebe ich einen Überblick über die Geschichte des Gettos bis zu diesem Zeitpunkt. 
 
 
Das Getto Litzmannstadt/Lodz
 
Zu Beginn noch eine Anmerkung zur Benennung: beides ist geläufig, Litzmannstadt ist der Name, den die Nazis der Stadt am 11. April 1941 gaben. 
Vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs lebten ungefähr 233.000 Juden in Łódź, so wiederum der polnische Name der Stadt. Die nach Warschau zweitgrößte jüdische Gemeinde Polens war ein Zentrum jüdischen Lebens. Diese Welt hörte mit dem Einmarsch der Wehrmacht auf zu existieren. In der ersten Phase deutscher Besatzung bis zur Entstehung des Gettos im Frühjahr 1940 war die jüdische Bevölkerung dem deutschen Terror ausgesetzt, erfuhr Demütigungen und Gewalt und wurde weitestgehend ihrer Existenzgrundlagen beraubt. Der Zustand der Rechtlosigkeit wurden sukzessive „legalisiert“. 
Anstelle der Kehilla, der Gemeinde, war seit Oktober 1939 der auf deutsche Weisung eingesetzte Ältestenrat mit Mordechai Chaim Rumkowski an der Spitze für die Organisation jüdischen Lebens verantwortlich. Im Frühjahr 1940 mussten die Menschen in die Viertel Bałuty, Marysin und Altstadt umziehen, die von den deutschen Besatzern zum Gettogebiet auserkoren worden waren. Es handelte sich um die ärmsten Teile der Stadt, viele Häuser waren baufällig, sie hatten keine sanitären Anlagen, in vielen Fällen handelte es sich um alte Holzhäuser. Über eine Kanalisation verfügte das Gebiet nicht. Außerdem war es mit seinen 4,13 Quadratkilometern viel zu eng für die gut 160.000 Menschen, die hinter Stacheldrahtzaun dort eingeschlossen wurden. Am 30. April 1940 wurde das Getto abgeriegelt.
Trotz Verfolgung und Gettoisierung begann die jüdische Bevölkerung mit großem Aktionismus, ihr Leben neu zu gestalten. Initiator war in vielen Fällen Mordechai Chaim Rumkowski, der zahlreiche Organisationen und Ämter ins Leben rief. Zudem begann der Ausbau einer riesigen Gettoindustrie, da der Judenälteste davon ausging, dass sich das Getto durch Produktivität unentbehrlich machen könnte und die Menschen aus diesem Grund weiter versorgt würden. Unterstützt wurde er in dieser Annahme von Hans Biebow, dem Leiter der deutschen Gettoverwaltung, der sich für eine gezielte Ausbeutung der jüdischen Arbeitskräfte im Getto aussprach.
Rumkowski hatte im Getto eine starke Machtposition inne, die er auch stets demonstrierte. Dies rief von Beginn an Opposition gegen ihn hervor, schon im Sommer 1940 kam es zu ersten Protesten gegen seine Politik und die soziale Ungerechtigkeit im Getto. Initiatoren waren vor allem Anführer politischer Parteien, die im Getto aktiv waren. Demonstrationen und Streiks gegen Rumkowski und später auch gegen die deutschen Besatzer gab es während der gesamten Existenz des Gettos.
Die Lebensbedingungen im abgeriegelten Getto verschlechterten sich zunehmend. Die Selbstzeugnisse zeigen eindrucksvoll, welche Auswirkungen dies für die Bewohner hatte.  Als Beispiel sei hier der Hunger genannt. 
Die meisten Tagebuchschreiber notierten wieder und wieder detailliert die wöchentlichen Rationen, an denen man die Verschlechterung der Situation deutlich ablesen kann. Es finden sich kaum Einträge, in denen nicht der quälende Hunger beschrieben wurde. Davon ist auch in den nachträglich verfassten Berichten stets die Rede.  Liza Taflowicz erinnerte sich in ihren kurz nach der Befreiung niedergeschriebenen Erinnerungen, dass an manchen Tagen Kaffee die einzige Verpflegung war, die sie zu sich nahm, und fasst die Situation zusammen: „Hunger war unser untrennbarer Gefährte.“  Shlomo Frank fragte sich im Juli 1941 verzweifelt, warum die Menschen nicht massenweise Selbstmord verübten, dieser furchtbare Hunger sei doch schließlich nicht mehr auszuhalten.  Lolek Lubinski schrieb im Dezember 1941 den knappen Satz: „Wir durchleben gegenwärtig im Getto schwere Hungerzeiten.“  
Mehr als alles andere verdeutlicht der folgende verzweifelte Versuch, etwas zusätzliches Essbares zu bekommen, wie quälend der Hunger der Menschen im Getto gewesen sein muss: Es kam vor, dass Menschen den Tod von Familienmitgliedern nicht sofort meldeten, damit die Toten zur Beerdigung abgeholt wurden. Sie ließen die Verstorbenen stattdessen einige Tage in ihrer Wohnung liegen, um in dieser Zeit deren Rationen zu bekommen. Denn die Lebensmittelkarten der Toten waren in diesem Fall noch nicht gesperrt. Mütter und Väter ließen ihre verstorbenen Kinder noch im Bett liegen und meldeten sie nur krank, bis die nächste Brotration ausgegeben wurde.  
Nicht alle Gettobewohner hungerten, und das Vorhandensein einer deutlich erkennbaren privilegierten Oberschicht steigerte die Verzweiflung der Menschen über ihren täglichen Existenzkampf noch. Auch in vielen Familien, darunter solche, die vor dem Krieg intakt und glücklich waren, führten die Bedingungen zu starken Spannungen. Der allgegenwärtige, immer quälende Hunger hatte oft zur Folge, dass Streit darüber ausbrach, wenn ein Familienmitglied angeblich mehr Essen bekommen hatte als ein anderes.  Michał Chęciński erinnert sich: „Der Überlebenskampf macht hart, Familien und Freundschaften brechen auseinander.“  
Die Menschen im Getto versuchten diesen katastrophalen Bedingungen etwas entgegenzusetzen und ihre Situation zu verbessern. Die jüdische Verwaltung bemühte sich, der Verelendung der Bevölkerung, dem Hunger und den ausbrechenden Krankheiten durch eine beachtliche Fürsorgetätigkeit entgegenzuwirken. Doch auch aus der Bevölkerung kamen zahlreiche Initiativen zur Besserung der Lage, sie wurden vom Judenältesten zumeist rasch in seine Verwaltung eingegliedert. Daneben versuchten Einzelne, dem materiellen Mangel auf illegalem Weg, vor allem durch Schmuggel, beizukommen. 
Das reiche kulturelle Leben existierte im Getto weiter, es wurde den neuen Bedingungen angepasst und war für die Menschen von großer Bedeutung. Sowohl die im Getto eingesperrten professionellen Künstler als auch Amateure gaben Theateraufführungen, Symphoniekonzerte und Revuen. Daneben spielte die Bildung der Kinder und Jugendlichen eine große Rolle. Hier wird der Zukunftsbezug des Handelns deutlich: Die Menschen wollten für ein Leben nach dem Getto lernen. Sichtbar wird dies vor allem in zahlreichen landwirtschaftlichen Kollektiven im nördlichen Teil des Gettos, in Marysin, in denen Jugendliche sich durch ihr Studium dezidiert auf ein Leben in Palästina vorbereiteten.
 
Deportation der „Westjuden“
 
In das ohnehin überfüllte Getto wurden im Herbst 1941 knapp 20.000 Juden aus dem „Altreich“, aus Wien, Prag und Luxemburg sowie 5.000 „Zigeuner“ deportiert. Die 122 Emdener Juden waren, wie  die Gettochronik berichtet, dem zweiten Berliner Transport angeschlossen worden, der das Getto am 25. Oktober erreichte. Eine Namensliste des Transports ist im Staatsarchiv in Lodz überliefert.
Die Menschen, die nun in dieses Getto deportiert wurden,  wussten nicht genau, wohin sie gebracht wurden, allenfalls hatten sie den Namen Litzmannstadt gehört, doch was das genau bedeutete, war niemandem klar. Um Ihnen ein Beispiel für die Unsicherheit vor der Deportation zu geben, möchte ich Alfred Dube zitieren, der in Prag in der Messehalle auf seinen Abtransport wartete und sich nach dem Krieg an seine Gefühle erinnert: „Hinter diesen Türen war unsere Stadt, die Stadt, in der ich aufgewachsen war, die Stadt, in der ich den Großteil meines Lebens verbracht hatte, wo um die Ecke meine Freunde lebten, aber nun eine Stadt, die für mich verboten war. Sehr wahrscheinlich würde ich sie eine sehr lange Zeit nicht wiedersehen. Ich kannte jede Ecke und jede Straße, in denen sich meine liebsten Restaurants und Klubs befanden. Ich würde sie alle vermissen. Ich hatte Angst.“  
Diese Angst sollte sich als begründet herausstellen. Nach der ein- bis zwei Tage langen Zugfahrt stiegen die erschöpften und verunsicherten Menschen am Bahnhof Radegast aus und waren unmittelbar mit der Brutalität der diensthabenden deutschen Wachen und auch des jüdischen Ordnungsdienstes konfrontiert. Sie mussten sich in Reihen aufstellen und losmarschieren, von der ländlich anmutenden Umgebung des Bahnhofs Radegast Richtung Getto. 
Absolute Fremdheit – so könnte man vielleicht treffend das Gefühl dieser Menschen bei ihrer Ankunft beschreiben. Dieses war nicht ihre Welt, hier gehörten sie nicht hin. 
Oskar Rosenfeld beschreibt den Schock bei der Ankunft und die Angst der Menschen eindringlich:
„Der Zug hielt auf freiem Feld. Die Coupétüren wurden aufgerissen. Müde, zerquält, in den Händen Koffer, auf den Rücken die Rucksäcke, unter den Armen Bündel, so krochen mehr als tausend Menschen die Trittbretter hinab. Tiefer Kot, Schlamm, Wasser, wohin sie traten. Es war Herbst. Polnisch-russischer Herbst. Feldgraue Gestapo trieb an. ‚Vorwärts! Lauf! Lauf!’ schrien blonde gutgenährte Jungens. Unvergeßlich der eine, mit rötlichem borstigem Bart und rötlichen Augenbrauen, stechendem Blick, schnarrender Stimme. Er schrie die ‚Neuansiedelnden’ an: ‚Lauf, du Judensau’, stieß gegen Frauen, die nicht wußten, wohin sie sich wenden sollten. Wo war man gelandet? Wem gehörte man an? Wo war die hilfreiche Hand, die sich entgegenstreckte? Wer übernahm die 1.000, die in die Öde von Lodz hineingeschleudert worden waren? Nichts, nichts. Man kam nicht zur Besinnung. Das Hirn war leer, man vergaß sogar daran, daß man einen Tag und eine Nacht fast nichts gegessen hatte.
Ein Zug formierte sich. Durch Kot und Schlamm ging es irgendwohin. Neugierige standen an den Rändern einer Straße, einer verwahrlosten, häuserarmen Gegend, von der man nicht sagen konnte, ob sie Stadt oder Dorf sei… Einige Wagen, mit je einem hageren Pferd bespannt, nahmen Alte und Kranke auf. Die Kutscher fluchten, hieben auf die armen Gäule ein. Ein Vorgeschmack für die künftigen eigenen Leiden vielleicht. Menschen zerlumpt, zerfetzt, mit wachsbleichen Gesichtern trotteten daneben. Man begegnete Karren, kleinen Wagen, die von jungen und alten Leuten, nicht von Tieren geschleppt wurden. Öde Lehmhütten… Hilflose Bäume und Sträucher… Kotlachen… stinkender Unrat… Müde mit gekrümmten Rücken zahllose Kreaturen… Daneben Gesichter, die alles Leid schon überwunden hatten, auf denen geschrieben stand: Wir halten durch, wir überleben euch, ihr könnt uns nicht zerstören… armselige Kramläden, Schenken, Caféhäuser, Zigarettenverkäufer, Mädchen und Kinder, die irgend etwas feilboten, Geruch von Dingen, die im Westen nicht zu sehen sind, junge Menschen in Uniform mit dem Zionsstern am Arm, Geschrei neben Stille, darüber ein nebelgrauer Himmel, durch den bisweilen rabenartige Vögel fliegen… Das war das Verbrecherviertel von Lodz, das Getto Litzmannstadt…“  
Auch andere der aus dem Westen Deportierten beschrieben den Schock bei der Ankunft, so etwa die aus Hamburg deportierte Lucille Eichengreen, die damals noch Cecilie Landau hieß. 
Das – so kann man ihre Reaktionen zusammenfassen -  das hatten sie nicht erwartet. Sie sahen verfallene und verwahrloste Holzhäuser, schmutzige Straßen, es stank nach Abfällen. Immer wieder wird in den Berichten geschildert, dass die Straßen und Abflussrinnen voller Kot waren. Die einheimischen Juden, die sie zuerst sahen, trugen in den meisten Fällen schmutzige und zerlumpte Kleidung, sie waren von Hunger und Entbehrung gekennzeichnet, schlurften durch die Gassen. 
Berlin, Hamburg, Emden oder Wien mag von den Kilometern her in einer überschaubaren Distanz zu Lodz/Litzmannstadt liegen. Auf einer Landkarte sehen Abfahrts- und Zielort nicht so weit voneinander entfernt aus. Doch für die Menschen, die aus diesen Städten damals nach Litzmannstadt deportiert wurden, überschritt der Transport die Grenze in eine andere, fremde Welt.  
 
Vorurteile und gegenseitige Wahrnehmung
 
Von den knapp 20.000 Deportierten waren mehr als die Hälfte über 50 und ein gutes Viertel über 60 Jahre alt. Gut ein Drittel der Berliner Juden war beispielsweise über 70, ein weiteres Viertel über 60 Jahre alt. Nur im Hamburger Transport gab es verhältnismäßig viele jüngere Menschen. Die Prager Juden waren durchschnittlich sogar jünger als die polnische Gettobevölkerung.  Viele der Westjuden stammten aus den höheren und gebildeten Schichten, waren Ärzte, Professoren, Rechtsanwälte, Journalisten, Maler, Musiker oder Schriftsteller. Keine Arbeiter, wie Rumkowski sie in seinem Getto eigentlich benötigt hätte.
Die Juden aus dem Westen entstammten einer anderen Kultur, unterschieden sich stark von den polnischen Juden. Auch hatten sie ein vollkommen anderes Leben geführt. Auch wenn sich ihre Lebensbedingungen vor der Deportation sukzessive verschlechtert hatten, sie zunehmend ausgegrenzt worden waren -  auf das, was sie nun erwartete, waren sie in keiner Weise vorbereitet. 
Bernhard Heilig, der mit dem zweiten Prager Transport ins Getto gekommen war, erinnerte sich ein halbes Jahr später daran, wie die Menschen am Tag nach der Ankunft Mitglieder des ersten Prager Transportes trafen. Diese informierten die Neuankömmlinge über die Verhältnisse im Getto, „die in so krassem Gegensatz zu denen von daheim standen, trotzdem sich ja auch dort, speziell in der letzten Zeit, vieles geändert hatte. Vor allem die Preise und bei diesen wieder besonders die Lebensmittel erschienen uns exorbitant, verglichen mit denen zu Hause. Überhaupt, man verglich noch – Unvergleichbares.“ 
Entsetzen und Fremdheit waren die dominanten Empfindungen auf beiden Seiten, die Kluft war groß, wie schon die ersten Eindrücke zeigen. Die Gettobevölkerung war bei der Ankunft der Westjuden verwundert über den Anblick, der sich ihr bot. 
Dawid Sierakowiak hatte vor der Ankunft der Neuankömmlinge geschrieben: „Morgen sollen die ersten Aussiedler aus Wien ankommen. Angeblich lauter Christen und Hitleranhänger, denen man eine jüdische Großmutter nachgewiesen hat. Sie werden hier im Getto womöglich einen antisemitischen Verein aufmachen.“  Und Józef Klementynowski schreibt über die Ankunft der deutschen Juden: „Manche fragten sogar, ob sie nicht in irgendeinem Hotel wohnen könnten. Es gab zwar unter ihnen hochmütige und grobe Menschen, aber im Grunde genommen waren sie durch ihre Desorientierung klein und hilflos.“ 
Zumindest Teile der polnischen Juden betrachteten die Westjuden also weniger als Schicksalsgenossen, sondern in erster Linie als Deutsche; dies deckt sich zwar gewissermaßen mit deren Selbsteinschätzung, hat jedoch in diesem Fall eine vollkommen andere Konnotation. 
Die deutschen Juden wiederum fühlten sich ihrerseits oft ihren Glaubensbrüdern überlegen, empfanden die polnischen Juden als schmutzig, unzivilisiert und zurückgeblieben. Viele machten nun die erste Erfahrung mit „dem Osten“ unter den Bedingungen des Gettos. Sie sahen schockiert den Schmutz, die Enge und heruntergekommene Menschen, durch diese verzerrte Wahrnehmung wurden die schlimmsten Vorurteile noch übertroffen. Der aus Prag deportierte Journalist Oskar Singer, der 1942 eine Sammlung von Essays mit dem Titel „Zum Probleme Ost und West“ verfasste, schrieb hierzu: „Kurzum, er sah zum erstenmale in seinem Leben eine entsetzliche Karikatur des Ostens. Der Neueingesiedelte reagierte mit allen Kräften des Andersgearteten. Er schimpfte, schmähte, beleidigte. Seine Arroganz, die ihn schon früher auszeichnete, tobte sich aus.“ 
So war das nun geforderte Zusammenleben stark belastet, bevor es überhaupt begonnen hatte.
Zu den Ressentiments kamen noch die praktischen Folgen der Einweisung von 20.000 zusätzlichen Bewohnern hinzu: die Schulen wurden geschlossen, da sie zu Massenquartieren umfunktioniert wurden, zunehmende Enge, reduzierte Lebensmittel.
 
Leben im Getto
 
Die Neuankömmlinge wurden in Sammelunterkünfte eingewiesen, zu denen die ehemaligen Schulen und andere Gebäude bestimmt worden waren. Alle Mitglieder eines Transportes, also ungefähr 1.000 Menschen, drängten sich jeweils in einer dieser Unterkünfte. Sie hatten ihr spärliches Gepäck bei sich, versuchten, mit ihren Verwandten und Freunden zusammenzubleiben, alles war durcheinander. Transportleiter bemühten sich, die Menschen in die Zimmer zu verteilen. Notdürftig versuchten die neuen Gettobewohner, ihre Nachtlager herzurichten, denn Möbel oder Betten gab es nicht.  
Fließendes Wasser und sanitäre Anlagen waren nur in einer der Unterkünfte vorhanden, ansonsten mussten die Menschen verschmutzte Latrinen auf dem Hof sowie häufig nicht funktionstüchtige Wasserpumpen benutzen. Kranke verwendeten Eimer in den Fluren für ihre Notdurft. Die Latrinen zu erreichen wurde für die geschwächten Menschen zunehmend zur Tortur, zumal viele bald unter Durchfallerkrankungen litten.  
Etwa 60 Menschen mussten in den überfüllten Räumen auf dem Fußboden schlafen, der lediglich mit Stroh oder ihrem Bettzeug bedeckt war. Da sie ihr Gepäck in diesen engen Zimmern verstauen mussten, nutzten viele ihre Rucksäcke als Kopfkissen und legten Koffer an ihre Füße. Auch die Gänge waren mit Menschen und Gepäck überfüllt. Einige schliefen in den Fluren im Sitzen an die Wände gelehnt, da in den ihnen zugewiesenen Zimmern kein Platz mehr für sie war.  
Bernhard Heilig aus Prag beschrieb im Mai 1942 rückblickend die beklemmende Enge: „War das Verweilen bei Tage jetzt schon sehr schwer, so gestaltete sich das Schlafen nun zur reinen Katastrophe. Nicht nur, dass die einzelnen Menschen scharf auf einer Seite liegen mussten – an ein Liegen auf dem Rücken war gar nicht zu denken – so war das Zimmer auch zu schmal, um zwei ausgestreckt liegenden Gestalten der Länge nach Platz zu bieten. Es musste also – genau wie in einer Sardinenbüchse – immer ein Fusspaar eines Menschen zwischen zwei gegenüberliegende Menschen geschoben werden, um überhaupt Platz zu finden. Auf der Seite liegend, Oberkörper und Füsse von verschiedenen Nachbarn eng gepresst, erzeugte dieses Liegen das Gefühl, sich bereits in einem Massengrabe zu befinden und führte zu Angstzuständen, Atemnot, Alpdruck und dergleichen. Natürlich wurde unter diesen Umständen das Hinausgehen bei Nacht, das infolge der überwiegend flüssigen Ernährung ganz allgemein wurde, ein Zirkus-Balance-Kunststück für den Hinauseilenden, eine Qual für alle Liegenden.” 
Zwar bekamen die Neuankömmlinge die gleichen Lebensmittelzuteilungen wie die übrige Bevölkerung, doch hatten sie zumeist keine Arbeit, so dass sie auf eine zusätzliche Mittagssuppe im Arbeitsressort keinen Anspruch hatten. Dies bedeutete, dass ein in den Sammellagern lebender Jude ohne Arbeit von einem ungesüßten Kaffee am Morgen – „laues braunes Wasser“, wie Oskar Rosenfeld es nannte, einer Suppe und 280 Gramm Brot am Mittag sowie ungesüßtem Kaffee am Abend leben musste.  Anfangs fehlte den Juden aus dem Westen zudem die Erfahrung, dass eine bestimmte Brotration für mehrere Tage reichen musste; sie aßen sie sofort und hungerten danach.  Zunächst weigerten sich viele der deportierten Juden, im Getto verteilte Lebensmittel zu essen, so gibt es Berichte über den Geruch und das ekelerregende Aussehen der Suppen – doch lange hielt dies nicht an, bald schon mussten die Neuankömmlinge erkennen, dass sie alles essen mussten, was sie irgendwie bekommen konnten. Sie versuchten, sich durch den Verkauf ihrer letzten Habseligkeiten Lebensmittel zu beschaffen. 
Die polnische Jüdin Liza Taflowicz beobachtete: „Sie lachten schon nicht mehr über unsere Suppe, für ein Stückchen Margarine oder Wurst gaben sie die teuersten Sachen ab.“  Oskar Rosenfeld brachte es auf den Punkt: „Der physische und soziale Abstieg hat begonnen.“  Und wiederum Józef Klementynowski: „Die Ereignisse schritten schneller voran als die Zeit; die Menschen veränderten sich sichtbar, zuerst äußerlich, später körperlich und schließlich, insofern sie nicht völlig verschwanden, zogen sie wie Schatten durch das Getto. Wruken und Rüben, die sie am Anfang so verschmäht hatten, kauften sie jetzt für teures Geld und jene von ihnen so verschmähten Suppen wurden zum Gipfel ihrer Träume.“ 
 
Organisation des Gettolebens
 
Trotzdem: Das Leben musste organisiert, in wie auch immer geartete Bahnen gelenkt werden. Eine „Abteilung für die Eingesiedelten“ kümmerte sich speziell um ihre Belange. So genannte Kollektive organisierten das Alltagsleben in den Massenunterkünften. Sie waren nach der Herkunftsstadt und der Transportnummer benannt, so gab es beispielsweise das Kollektiv „Prag I“. Die Emder Juden gehörten also zu „Berlin II“. An der Spitze der Kollektive standen ein Leiter und sein Stellvertreter. Diese Kollektivleitung ernannte für jedes Zimmer einen Ordner, der für die Einhaltung von „Ruhe und Ordnung“ zuständig war. Die Menschen des Transports wählten Vertrauensmänner, und zwar für jeweils 100 Juden einen, der den Kontakt zur Leitung und in dringenden Fällen zur Abteilung für „Eingesiedelte“ herstellte und Vorschläge oder Bitten vortrug. 
Jedem Kollektiv wurde durch die Gesundheitsabteilung ein eigener Arzt zugeteilt, dem zwei Gehilfen, meist ehemalige Medizinstudenten, und drei Pflegerinnen zur Seite gestellt waren. Wenn darüber hinaus Hilfe benötigt wurde, mussten die Kollektive aus ihrer Mitte freiwillige Helfer mobilisieren. In den aus etwa 1.000 Menschen bestehenden Kollektiven gab es bereits bei der Einweisung ins Getto viele Kranke, laut Statistiken betraf dies 16 Prozent der Menschen. Die Bedingungen in den Sammelunterkünften verschlimmerten die Lage. Zu den gerade unter den Älteren verbreiteten Kreislauf- und Herzkrankheiten kamen Lungenentzündungen sowie Magen- und Darmkrankheiten hinzu. Aufgrund der Enge lagen die Kranken in den gleichen Räumen wie die Gesunden, was die Ansteckungsgefahr verschärfte. Bald brachen Epidemien in den Kollektiven aus, im November/Dezember 1941 die Ruhr, Anfang 1942 Bauchtyphus, im März und April Fleckfieber, hinzu kamen andere ansteckende Krankheiten wie Scharlach. 
 
Integration und Scheitern
 
Krankheiten und schlechte Versorgung ließen die Sterberate unter den Neuankömmlingen in die Höhe schnellen, sie war doppelt so hoch wie die der polnischen Gettobevölkerung: Zwischen Oktober 1941 und Mai 1942 starben knapp 3.200 der Westjuden, das sind etwa 16 Prozent. 
Die Mehrheit der Westjuden war physisch nicht in der Lage, schwere Arbeit zu verrichten. Allerdings gab es ohnehin nicht für alle Gettobewohner Arbeit. Für die alten Menschen unter den „Eingesiedelten“ war es nahezu unmöglich, doch auch für junge und gesunde Männer und Frauen war es schwer, Arbeit zu finden. 
Die meisten Westjuden waren lange Zeit dazu verurteilt, ganze Tage untätig in den Massenunterkünften zu verbringen, was das Gefühl des Ausgeliefertseins noch verstärkte. Hilda Stern Cohen erinnerte sich: „Die langen dumpfen Tage und die noch längeren und dumpferen Abende in den vollgepfropften Stuben herum zu lungern, wirkte verheerend auf Nerven und Gemüt.“  Oskar Rosenfeld schrieb über die psychischen Folgen des Nichtstuns: „Hunde bellen, Pferde wiehern, Vögel zwitschern, Sklaven schuften, aber wir Menschen im Getto vegetieren, sich selbst zur Last. Wir haben den Sinn des Lebens verloren. Man braucht uns nicht erst auf den Mist zu werfen, wir liegen schon dort vom ersten Augenblick, an dem wir das Getto betreten haben. Das Nichtstun hat sich in unser Mark eingefressen und uns allmählich Abscheu vor allem eingegeben.“ 
Entgegen den anfangs geäußerten Befürchtungen einiger polnischer Juden, die Westjuden würden bald die Macht im Getto innehaben, gelang es nur wenigen, sich überhaupt zurechtzufinden. Die Mehrzahl der ins Getto deportierten Juden fand keine Arbeit, ihre Lebensbedingungen verschlechterten sich immer mehr. Zwar gab es anfangs Konflikte mit dem Judenältesten Rumkowski, der ihnen vorwarf, sich für manche Arbeiten zu schade zu sein. Doch zunehmend waren sie bereit, alles zu tun, um ihre Situation zu verbessern. 
Entscheidend war, wie Oskar Singer formulierte, „schnell aus der Masse“ zu flüchten: „Wer nur einigermaßen die Lage erfasst hat und entweder Anschluss an Einheimische fand oder eine Wohnung ergattern konnte, zog das große Los.“  
Die Integration in die Gettogesellschaft war auch aus psychologischen Gründen ungeheuer wichtig, wie eine zentrale Episode im Tagebuch Oskar Rosenfelds verdeutlicht. Er beschreibt hier, wie er, vermutlich im Frühjahr 1942, so verzweifelt war, dass er über eine Flucht aus dem Getto nachdachte. Ihm war bewusst, dass dies unweigerlich zum Tod geführt hätte. Er trennte seinen Judenstern ab und ging durch die Straßen des Gettos: „Neben mir Stimme. Jemand ruft mich an. ‚Herr, Sie haben keinen Stern.’ Es ist ein jüdischer Polizist. Mir wird warm im Herzen. Er nimmt und heftet mir ihn an. Achtung sagt er. ‚Wenn sie ein Aschkenes sieht, sind sie verloren.’ Mir ist wohl. Ich gehöre plötzlich zu ihnen allen, den sogenannten Ostjuden. Wir haben die gleiche Angst vor Aschkenes, vor dem Schicksal, vor dem schweren Leben, das uns noch bevorsteht. Die paar Worte ‚Herr - - ‚ haben mich gerettet.“  Eine ähnliche Erfahrung beschreibt die damals 16-jährige Lucille Eichengreen aus Hamburg, die betont, wie wichtig es war, das Gefühl von Fremdheit zu überwinden. Sie berichtet, wie sie einen Straßenhändler kennen gelernt hatte und von diesem immer mehr über die gesellschaftlichen Verhältnisse im Getto erfuhr: „Ich war an einem Punkt angelangt, wo ich in meine neuen Lebensumstände integriert werden wollte. Ich haßte es ‚aufzufallen’; ich war jüdisch wie alle anderen, und doch gehörte ich nicht dazu. Ich mußte wissen, wo ich mich befand, und ich war lernbegierig. Mit wem war ich hierher verschlagen worden? Menschen wie diejenigen, unter denen ich hier lebte, hatte ich noch nie irgendwo gesehen, und niemals zuvor hatte ich Verhältnisse erlebt, die auch nur entfernt denen im Getto ähnelten.“ 
 
Den allermeisten der im Herbst 1941 hierher Deportierten gelang es nicht, sich in der Lebens-, Arbeits- und sozialen Welt des Gettos Litzmannstadt zu Recht zu finden. Neben den dargestellten Antagonismen zwischen West- und Ostjuden war entscheidend, dass die Beziehungen von Anfang an durch die von den Nationalsozialisten geschaffenen Lebensbedingungen und den Druck der sich verschärfenden deutschen Politik belastet waren. Im Frühjahr 1942 demonstrierten die deutschen Besatzer ihre Macht sehr deutlich und führten auch den deutschen Juden vor Augen, wie gefährdet ihr Leben stets war. Im Januar 1942 hingen an den Mauern des Gettos Bekanntmachungen, dass der Anwalt Ulrich Schulz aus Prag im Zentralgefängnis exekutiert wurde, da er sich der deutschen „Macht“ widersetzt habe. Die nächste Exekution inszenierte die deutsche Polizei zu einer öffentlichen Abschreckungsmaßnahme: Max Herz, ein Buchdrucker aus Köln, hatte versucht, aus dem Getto zu fliehen, wurde jedoch gefasst. Sämtliche Kollektive, also alle ins Getto deportierten Juden, mussten am 21. Februar 1942 auf dem Basarplatz antreten. Dort war ein Galgen aufgebaut. Auch die Frau und die neunjährige Tochter mussten anwesend sein. Herz wurde öffentlich gehängt, und den entsetzten Zuschauern damit ihr Ausgeliefertsein demonstriert.  Hier wird sehr deutlich, wer die Verantwortlichen für die Zwangssituation waren, in der ein Zusammenwachsen der verschiedenen Gruppierungen scheitern musste. 
Vor allem bedeutete der Übergang zur Vernichtungspolitik, dass den Westjuden kaum Zeit blieb, sich in die Gesellschaft des Gettos zu integrieren.
Im Januar 1942 begannen die Deportationen der Lodzer Juden in das Vernichtungslager Kulmhof und im Mai 1942 traf dieses Schicksal auch die aus dem Westen ins Getto deportierten Juden. Zwischen dem 4. und dem 15. Mai 1942 wurden 10.993 Juden, die hauptsächlich aus dem Westen stammten, nach Kulmhof verschleppt.
In seinen „Randnotizen  zur Aussiedlung des Hamburger Transports“, also der Deportation auch der Hamburger Juden in das Vernichtungslager Kulmhof, endet Józef Klementynowski: „Und doch war es nur ein halbes Jahr, nur sechs Monate, die sich für sie als eine ganze Ewigkeit erwiesen haben! Eine solche Metamorphose hätte man sich bei manchen sogar im Traum nicht ausmalen können … Schatten, Skelette mit Geschwülsten im Gesicht und an den Gliedmaßen, zerlumpt und ausgemergelt, gehen jetzt auf eine weitere Wanderung, auf die sie nicht einmal einen Rucksack mitnehmen dürfen. Alles, was an den trügerischen europäischen Glanz erinnerte, wurde ihnen entrissen und es blieb nur der Jude, der ewige Wanderer…“  Die aus Litzmannstadt nach Kulmhof deportierten Juden, auch die aus Emden, wurden direkt nach ihrer Ankunft ermordet. Als am Freitag, dem 15. Mai 1942, der letzte Transport morgens um 7.30 Uhr das Getto verlassen hatte, lebten noch 6310 der aus dem Westen deportierten Juden im Getto Litzmannstadt.  Spätestens jetzt zogen die letzten von ihnen in private Wohnungen, die Kollektive waren aufgelöst worden, das „normale“ Gettoleben begann spätestens zu diesem Zeitpunkt für diejenigen der ursprünglich 20.000 Menschen, die noch am Leben waren. 
Nach dem September 1942, als während der berüchtigten „Sperre“ Kranke, Kinder unter zehn und alte Menschen über 65 Jahre in die Vernichtung deportiert wurden, lebten noch etwa 3600 von ihnen im Getto. Es begann eine eher ruhige Phase in der Geschichte des Gettos Litzmannstadt, das nun ein reines Arbeitsgetto war: Fast alle der knapp 90.000 Juden, die nach den Deportationen des Jahres 1942 noch im Getto lebten, arbeiteten in den Fabriken oder in der jüdischen Verwaltung. Als im Sommer 1944 jedoch das Getto endgültig aufgelöst und knapp 70.000 Menschen nach Auschwitz-Birkenau deportiert und in der Mehrzahl der Fälle sofort nach ihrer Ankunft ermordet wurden, teilten die aus dem Westen Deportierten das Schicksal der polnischen Juden. Die letzten Juden wurden am 19. Januar 1945 durch die Rote Armee befreit. Die Gesamtzahl der Überlebenden wird auf 5.000 bis 7.000 Menschen geschätzt.
Von vielen anderen sind aber Texte überliefert, aus denen ich im Verlauf meines Vortrags ausführlich zitiert habe. Menschen im Getto wollten dokumentieren, was ihnen widerfährt, damit nicht auch noch die Erinnerung den Tätern überlassen wird. Im Getto Litzmannstadt wurde zu diesem Zweck eigens ein Archiv ins Leben gerufen.
Geschrieben haben Erwachsene und Kinder, Männer und Frauen. Sie schrieben private Tagebücher, professionelle journalistische Texte oder solche mit wissenschaftlichem Anspruch, Essays, Gedichte und Prosa. Die Verfasser dieser Aufzeichnungen haben das Getto in den meisten Fällen nicht überlebt. Was bleibt, sind ihre Texte. Die verschiedenen Aufzeichnungen und auch Fotos oder Gemälde, geschaffen durch Menschen im Getto Litzmannstadt, beeinflussen unser Bild dieses Gettos in hohem Maße. Sie tragen Sorge, dass ein Ziel der Nationalsozialisten nicht erreicht wurde: Mit den Menschen auch das Gedächtnis, die Erinnerung an die Menschen auszulöschen. 
Damit hat sich erfüllt, was Oskar Rosenfeld – der selber im Sommer 1944 in Auschwitz ermordet wurde - im Mai 1942 in sein Tagebuch notierte: „Viele Schrecknisse gerieten in Vergessenheit. Viele Schrecknisse (Schandtaten) hatten keine Zeugen. Viele Schrecknisse waren derart, daß ihre Darstellung keinen Glauben fand. Aber sie sollen in der Erinnerung leben bleiben.“