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Gesine Janssen , Deutschland lag hinter uns - Dr. Kretschmer Buchbeschreibung - Presse 2018

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Letzte Änderung
March 29. 2019 10:32:14
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Wir trauern um

Shulamith Jaari

12. Februar 1925 - 11. März 2019


Im hohen Alter von 94 Jahren ist Shulamith Jaari am 11. März 2019 in Beer Tuwia/Israel verstorben. Sie wurde in Emden als Sophie Nussbaum am 12. Februar 1925 geboren. Fast ihre gesamte Familie wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet. Sophie und ihre ältere Schwester, Gustel Moses Nussbaum, die ebenfalls in Israel wohnt, überlebten die Shoah im Untergrund in den Niederlanden.

Kein Hass auf Deutschland bestimmte ihr Leben, sondern der schwere Aufbau einer neuen Existenz in Israel und die Trauer um die Eltern und Geschwister. Sehr früh nahmen sie und ihr Mann Seew (in Emden Werner van der Walde) Kontakte nach Emden auf. Sie trugen viel dazu bei, dass 1982 eine große Gruppe ehemaliger Emder Jüdinnen und Juden ihre Geburtsstadt besuchte.

Regelmäßig kamen Shulamith und Seew Jaari nach Emden, besuchten Menschen, die ihren Eltern in der Zeit des Nationalsozialismus zur Seite standen, schlossen neue Freundschaften und trugen mit einem unvorstellbaren Erinnerungsvermögen dazu bei, die Geschichte der Jüdischen Gemeinde und ihrer Mitglieder zu dokumentieren. Shulamit Jaari kannte jede Familie, wusste viele Anekdoten zu erzählen und konnte Zusammenhänge der jüdischen Familien erklären. 
Die Gastfreundschaft in ihrem Haus haben viele Emder genießen dürfen. Mit großem Dank blicken wir auf Shulamit Jaari zurück, die mit ihrer Herzensgüte und Freundlichkeit uns während des Besuches vergessen ließ, dass es unsere Eltern waren, die mitschuldig geworden sind an der Ermordung von sechs Millionen Juden.
Zum Gedenken an die Pogromnacht im November 1938 in Emden formulierte Shulamit Jaari telefonisch noch ein Grußwort an die Gäste in der Volkshochschule Emden: „… Wir haben Emden sehr geliebt. … Etwas Antisemitismus gab es immer. Wir haben damit leben können. Es war eine glückliche Zeit und dann war auf einmal alles anders. Wir wurden auf dem Weg zur Schule geschlagen und angespuckt.“

Die Eltern betrieben ein Lebensmittelgeschäft in der Kleinen Brückstraße 25. Als die Repressalien der Emder Nazis zunahmen, zogen sie in die Straße An der Schlichte. Die drei Töchter, Gustel, Sophie und Ruth Nussbaum wuchsen in Geborgenheit und Liebe in einem Elternhaus auf, das geprägt war von jüdischer Religion und Tradition. Das glückliche Familienleben wurde in der Pogromnacht zerstört. Sophie und Ruth wurden mit ihren Eltern in der Nacht auf den 10. November 1938 aus dem Elternhaus geholt, zur Neutorschule geschleppt und drangsaliert. „Wir dachten, sie würden uns alle erschießen“, so S. Jaari.
Im Dezember 1938 fanden Marianne und Jacob Nussbaum für ihre drei Töchter Unterkunft in einem Kinderheim für jüdische Flüchtlinge in Holland. Die verzweifelten Eltern wurden von den NS-Behörden gezwungen, Emden zu verlassen und in Berlin Zwangsarbeit  zu leisten. Marianne, Jacob, Ruth und der in Berlin geborene Sohn Uri wurden 1943 deportiert und ermordet.
Nach dem Einmarsch der Deutschen mussten Sophie und Gustel in niederländischen Familien untertauchen und immer wieder die Quartiere wechseln, weil es oft zu Razzien kam. Die letzten drei Wochen vor der Befreiung überlebte Sophie Nussbaum unter dramatischen Umständen in einem Erdloch. Nach sieben Monaten Wartezeit in den Pyrenäen  konnte sie schließlich mit einem kleinen Schiff von Spanien aus nach Palästina gelangen. Dort heiratete sie bald den ebenfalls aus Emden stammenden Werner van der Walde. „Heute bin ich eine glückliche Mutter, Groß- und Urgroßmutter mit acht Enkeln und 17 Urenkeln“, so Shulamith Jaari.

Die traumatischen Erlebnisse der Pogromnacht,  die Jahre im Untergrund und die Ermordung ihrer Eltern und Geschwister haben sie ihr ganzes Leben belastet und raubten ihr oft den Schlaf. „Ich muss sagen, dass ich mich immer danach sehne, noch einmal über den jüdischen Friedhof zu gehen und die Gräber meiner Großeltern aufzusuchen, weil es die einzigen Gräber sind, die wir haben“ (S. Jaari).

Sie dankte allen Emdern für die ihr wichtige Erinnerungsarbeit und schloss mit den sie bezeichnenden Worten: „Ich weiß, dass es für Euch Emder schwer ist, jedes Jahr zu hören, was wir Emder Juden durchgemacht haben. Ich leide noch heute darunter.“
Eine unserer letzten Zeitzeuginnen ist verstorben und hinterlässt eine große Lücke. Wir haben ihre Erinnerungen in Büchern und in einem Film dokumentiert. Diese Aufzeichnungen helfen uns, ihrer zu gedenken. Gegen das Vergessen, für ein Miteinander – das war ihre Lebensmaxime. (Nachruf von Gesine Janssen, 18. März 2019)

Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens - Amen!

Der Vorstand der Max-Windmüller-Gesellschaft

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Wir trauern um

Rachel Kanner

04. Oktober 1917 - 30. April 2017


Am 30. April 2017 verstarb mit 99 Jahren die aus Emden stammende Rachel Kanner.
Rachel Kanner wurde am 4. Oktober 1917 in Plaschen/Posen geboren.
Im Januar 1939 verließ Rachel, Tochter des letzten Emder Rabbiners
Dr. Samuel Blum, Deutschland mit ihrer Familie in Richtung Niederlande. Vor dem
Einmarsch der Deutschen konnte die Familie noch nach England weiterreisen.
Rachel Blum wanderte über Israel nach Kanada aus, wo sie ihren Mann kennenlernte.
Vor 26 Jahren besuchte sie ihre Heimatstadt Emden zur Enthüllung der Gedenkstele
auf dem jüdischen Friedhof in der Bollwerkstraße. Trotz der schmerzlichen
Erfahrung von Demütigungen und Entrechtung war Rachel Kanner bereit zur Aussöhnung.
Anfang September 2017 wollte eine Delegation der Max-Windmüller-Gesellschaft
Rachel Kanner in Israel besuchen, wohin sie vor sieben Jahren übergesiedelt war.
Dazu kommt es leider nicht mehr!

Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens - Amen!

Der Vorstand der Max-Windmüller-Gesellschaft

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Wir trauern um

Eliahu Blum

29. Juni 1920 - 12. März 2015



Wir erhielten die traurige Nachricht, dass Eliahu Blum, Sohn des letzten Emder Rabbiners Dr. Samuel Blum, am gestrigen 12. März 2015 in Tel Aviv im Alter von 94 Jahren verstorben ist.
Wieder ist mit Eliahu Blum ein Überlebender des Holocaust und Zeitzeuge von dieser Welt gegangen.
Der Verstorbene war der dritte Sohn des Rabbiners Dr. Samuel Blum und seiner Frau Elfriede, geb. Breslauer. Das Licht der Welt erblickte er in Pleschen, das im damaligen sogenannten Korridor zwischen Pommern und Ostpreußen lag. Im Friedensvertrag von Versailles hatte das Deutsche Reich dieses Gebiet  wieder erstandenen Polen abtreten müssen. Im Alter von 3 Jahren verließ Eliahu Blum mit seinen Eltern Pleschen, weil sein Vater die Rabbinerstelle in Emden bekommen hatte.
Er durchlief die jüdische Schule und wurde zur 5. Klasse von seinen Eltern auf das humanistische Wilhelmsgymnasium geschickt. Als nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 die Verfolgung und Diskriminierung der jüdischen Minderheit begann und ein weiterer Besuch des Wilhelmsgymnasiums nicht mehr möglich war, schickten ihn seine Eltern auf ein jüdisches Realgymnasium in Breslau. Hier legte er 1938 die Abiturprüfung ab. Wie viele junge Juden in Deutschland hatte Eliahu Blum sich entschlossen, nach Palästina auszuwandern. Dabei spielte auch seine vom Vater übernommene zionistische Überzeugung eine Rolle. Eliahu absolvierte ab Frühjahr 1938 die Vorbereitung zur Auswanderung im Hachscharah-Lager Gehringshof bei Fulda. Nach der Pogromnacht wurde er mit anderen Absolventen der Hachscharah am 10. November 1938 ins KZ Buchenwald eingewiesen. Im Dezember 1938 erfolgte die Entlassung aus dem KZ. Ende Dezember 1938 reiste er mit seinen Eltern aus Emden in die Niederlande. Seine Eltern reisten von dort am 8. Januar 1939 nach Palästina, denn seinem Vater war es gelungen, für sich, seine Frau und Geschwister Eliahus, Pnina und Michael ein Zertifikat für die Einwanderung in Palästina zu erhalten. Am 16. Mai 1939 konnte Eliahu nach England einreisen, wo er in einer zionistischen Organisation die Vorbereitung für ein Leben in Palästina fortsetzte. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der Rabbinersohn interniert und durchlief verschiedene Lager bis nach Kanada. Während der Internierungszeit lernte er seine spätere Frau Tamara kennen. 1944 konnte er in Haifa palästinensischen Boden betreten. Bis 1983 lebte er mit seiner Frau und der Familie in einem Kibbuz. Seither lebte er in Tel Aviv.
1982 besuchte er mit einer Gruppe Holocaustüberlebender oder aus Emden vertriebener Juden seine ehemalige Heimatstadt. Eliahu Blum hielt den Kontakt nach Emden mit Marie Werth und Marianne Claudi aufrecht. Eliahu Blum war sehr angetan von den Aktivitäten des Arbeitskreises „Juden in Emden“, aus dem die Max-Windmüller-Gesellschaft hervorging. Er ermuntert, auf dem Weg der Aufarbeitung der Geschichte von 1933 bis 1945 fortzufahren und vor allem die Jugend über den Holocaust aufzuklären.
Die Max Windmüller-Gesellschaft verneigt sich in stiller Trauer vor einem Zeitzeugen und Opfer des Nationalsozialismus, der seiner Heimat verbunden geblieben ist.
Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens - Amen!

Der Vorstand der Max-Windmüller-Gesellschaft.


Vorwort von Elihau Blum zur Publikation von Gesine Janssen: ... ein leuchtendes Beispiel für Menschenliebe

Emder Zeitung, 17. März 2015 - Nachruf                           

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Wir trauern um

Marianne Claudi

11. Juli 1933 –  3. Juli 2014


Marianne Claudi war über lange Jahre die treibende Kraft in der Aussöhnung mit den aus Emden stammenden Juden, die den Holocaust überlebt haben. Sie hat Kontakte nach Israel hergestellt, die bis heute Bestand haben. Zusammen mit ihrem Mann Reinhard verfasste sie die Publikation „Die wir verloren haben – Lebensgeschichten Emder Juden“. Dieses Werk bildet eine wichtige Quelle für die Erinnerungsarbeit  in der Stadt Emden. Mit großem Enthusiasmus  sind die anrührenden Geschichten von Emdern erzählt, die in dunkler Zeit keine Deutschen, keine Ostfriesen und keine Emder mehr sein durften. Der jüdische Friedhof lag Marianne Claudi sehr am Herzen. Über diesen Ort als letzte authentische Stätte, die an eine der größten jüdischen Gemeinden in Nordwestdeutschland erinnert, schrieb sie ihr letztes Buch „Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte“, das 2007 erschien.

Marianne Claudi gehörte zu dem Kreis Emder Persönlichkeiten, der sich für eine konstruktive Aufarbeitung der Geschichte der jüdischen Minderheit in Emden während der NS-Diktatur einsetzte. Sie war eines der Gründungsmitglieder des Arbeitskreises „Juden in Emden“, der sich im Oktober 1993 als Verein konstituierte. Dem Arbeitskreis gelang es, das Gedenken zum 09. November 1938 („Reichspogromnacht“) als dauerhafte Veranstaltung in Emden zu verankern. Sie setzte sich für das Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof in Emden und für die Erhaltung des Friedhofes ein. Darüber hinaus hat sie historisch-wissenschaftliche Arbeiten über die jüdische Gemeinde in Emden angeregt und gefördert.

Marianne Claudi hat sich um unsere Gesellschaft und um Emden verdient gemacht.

Der Vorstand der Max-Windmüller-Gesellschaft.


Emder Zeitung, 8. Juli 2014 - Nachruf                      Emder Zeitung, 8. Juli 2014 - Anzeige